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Prof. Schmoll
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Leben zwischen Himmel und Hölle

 

Ich war gerade 37 Jahre jung, als ich die grausame Diagnose „diffus großzelliges anaplastisches B-Zell-Lymphom; CS IV AE" erhielt. Was nun? Sofort fiel ich in ein Tief, dass bis zur ersten R-CHOP-Therapie anhielt.

Nachdem mir im Januar 2003 aus der linken Flanke eine Ungereimtheit entfernt wurde, erfuhr ich meine barbarische Diagnose am 05.Februar 2003. Für mich brach eine Welt zusammen. In meiner Mittagspause fuhr ich in die Uni Klinik Halle-Kröllwitz und dann das. Gleich fing ich an zu zittern. Nachdem ich mich beruhigt hatte, ging ich zu meinem Auto und heulte wie ein Schlosshund. Auf keinen Fall wollte ich nach Hause, also fuhr ich zur Arbeit zurück. Kann gar nicht mehr sagen, wen ich alles angerufen habe, meine Familie und engste Freunde. Ich glaube, meine Familie hatte noch mehr Angst, als ich im ersten Moment. Angst um mein Leben, aber auch vor der Ungewissheit, wie sie jetzt mit mir und meiner bösartigen Erkrankung umgehen sollten.

Für Ende Februar 2003 bekam ich einen Termin in der Hämatologischen Ambulanz. Das war mir zu spät, und ich ließ den Termin vorverlegen auf den 17.Februar 2003. An diesen Tag denke ich überhaupt nicht gern zurück. Ich brauchte einige Minuten, um überhaupt über die Schwelle zu gehen, und dann geriet ich an einen Arzt (nennen wir ihn mal den „großen Blonden“) Er untersuchte mich sehr gründlich und löcherte mich mit Fragen. Mein einziges Ziel war „ICH MUSS ÜBERLEBEN". Nach einigen Meinungsverschiedenheiten auf Grund des CT-Termins, setzte ich mich schließlich durch und bekam eine Krankenhauseinweisung. Das war meine Rettung.

Also begab ich mich am 18.Februar 2003 pünktlich und unausgeschlafen auf die KIM 10. In der Nacht zuvor habe ich kaum geschlafen, saß viele Stunden am PC, um ihm einige Tatsachen über meine Erkrankung zu entlocken. So richtig wusste ich noch nicht, nach was ich suchen sollte. Das änderte sich aber schlagartig nach meinem ersten Krankenhausaufenthalt. Auf meinen Entlassungsbrief standen alle wichtigen Daten. Jetzt glühte mein PC Tag und Nacht.

Auf der Station KIM 10 des Klinikum Halle-Kröllwitz nahm mich der A.i.P. Herr Müller-Huesmann auf. Es wurden unzählige Untersuchungen vorgenommen. Das waren alles üble Notwendigkeiten, es ging aber nicht ohne Schmerzen zu. Die schlimmste Untersuchung war nicht die Gastroskopie, sondern die Beckenstanze. Mein lieber Schwan was für ein Schmerz. Was ich in diesen paar Minuten geschwitzt habe, transpiriere ich sonst den ganzen Sommer nicht. Nur eine Dusche konnte mir jetzt noch helfen.

Am 18.März 2003 ging es schließlich los. Herrn Müller-Huesmann bat ich jemanden zu organisieren, der die Gabe von MabThera fotografiert. Diesen Tag musste ich einfach fotografisch festhalten.

Leider wurde ich über schwerwiegende Nebenwirkungen, wie Zelltief, Vincristin etc. nicht ausreichend informiert. Wie auch, es ist doch überall so, dass Ärzte in Zeitnot sind. Vieles hätte ich mir vielleicht ersparen können. Auch eine üble Erfahrung musste ich mit Prednisolon machen. Sieben Tage hintereinander sollte ich je 100mg zu mir nehmen. Aber laut Schema, was ich mir zur zweiten Therapie besorgte, war das falsch. Prednisolon muss man ausschleichen lassen. Vieles musste ich mir selbst erarbeiten. Nach der siebentätigen Einnahme und dem abrupten Aufhören, kam ich mir wie ein Yankee vor. Irgendwie musste ich alle Körperteile an mir festhalten. Zittern war gar kein Ausdruck. Ab der zweiten R-CHOP-Therapie hielt ich mich einfach ans vorgeschriebene Schema. Zum Glück gab mir das Internet fast alle Antworten auf meine offenen Fragen.

Insgesamt war dreimal meine Therapie nicht pünktlich vor Ort. Dies hatte übelste Auswirkungen auf mein Gesamtbefinden. So z.B. war ich wie immer kurz vor 8.00 Uhr in der Klinik. Zuerst erfolgte das Blutbild und dann musste ich bis 12.45 Uhr auf meine Therapie warten. Oft ging ich spazieren und mit einem Buch unter dem Arm in die Cafeteria. Zuerst bekam ich MabThera wie immer über eine Pumpe. Aber dieses Medikament sollte laut Schema vier Stunden intravenös laufen. Ich war aber schon nach knapp drei Stunden fertig. Anschließend gab es ja auch noch die Chemotherapie. Fazit, ich war an diesem Tag die erste und auch letzte Patientin. In der kommenden Nacht musste ich mich insgesamt siebenmal übergeben. Auch konfrontierte ich den „Großen Blonden“ damit. Immer wenn mir MabThera nicht nach dem Schema verabreicht wurden ist, war mir nicht nur übel und schläfrig, sondern mir war permanent schwarz vor Augen. In diesem Moment war ich froh, dass mich der Taxifahrer nur noch nach Hause brachte.

Die Krönung kam nach der sechsten Therapie. Unmissverständlich gab ich dem „Großen Blonden“ zu verstehen, dass mein Körper total ausgelaugt war. Schonend brachte ich ihm bei, dass jetzt für mich Schluss ist und ich alle Konsequenzen trage. „Ohne Wenn und Aber“ teilte ich ihm mit, dass ich meine REHA in der Bavaria Klinik vorverlegen werde.

Am 31. August 2003 endete meine Kur und ab 01.September 2003 bin ich wieder voll ins Berufsleben eingestiegen. Meine Erkrankung liegt nun schon fast 14 Jahre zurück.

Was mir während der sieben Monate sehr gut tat und geholfen hat

 

Zwischen den R-CHOP -Therapien bin ich stundenweise arbeiten gegangen. Ganz so wie ich mich fühlte. Natürlich aber nicht im Zelltief. Auch schrieb ich während meiner Krankheit ein Tagebuch. Ich gestaltete ein Album mit Befunden, Berichten, Auszügen aus meinem Tagebuch und Fotos. Auch heute führe ich noch immer mein Tagebuch, nur jetzt in einer webbasierten Ausführung. Arbeit lenkt von Sorgen ab und das ist es, was ich brauchte.

 

Schlussbemerkung

 

Ich habe für meine Erkrankung aus heutiger Sicht die optimale Therapie (R-CHOP) erhalten. Dafür bin ich dem Universitätsklinikum Halle, Station IV, unter der damaligen Leitung von Herrn Prof. Schmoll, sehr dankbar.

 

Auch wenn es immer mal wieder kleine Disharmonien zwischen meinem damaligen behandelnden Onkologen (der große Blonde) und mir gab, hoffe ich doch, dass er es mir nicht so übel nahm. Mein Ziel war es halt, bestmöglich zu leben.

 

Heute im Jahr 2017 zähle ich als geheilt und lebe, liebe und lache, wenn auch mit teils massiven Spätfolgen.

 

 

 

© 2016 Selbsthilfegruppe für Leukämie- und Lymphompatienten Halle (Saale) / Sachsen-Anhalt

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