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Neuigkeiten von der DGHO - Schutzimpfung gegen COVID-19 bei Krebspatient*innen - Auffrischung

Zusammenfassung und Empfehlungen

Patient*innen mit malignen hämatologischen Erkrankungen oder fortgeschrittenen soliden Tumoren, deren Erkrankung nicht in Remission ist, sowie Patient*innen unter immunsuppressiver Therapie, haben ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf von COVID-19 und eine erhöhte Mortalität.

Es häufen sich Berichte, dass auch die Wirksamkeit der derzeit zugelassenen Impfstoffe für die SARS-CoV-2-Schutzimpfung bei diesen Patient*innen reduziert seinkann. Das Bild ist heterogen. Das Ansprechen auf die Schutzimpfung wird außer von der Art der Grundkrankheit u. a. durch das Krankheitsstadium, Art und Zeitpunkt antineoplastischer Therapie, Komorbidität und Alter sowie die Art eines zuvor verabreichten Impfstoffes oder eine potenziell durchgemachte COVID-19-Erkrankung beeinflusst.

Bei Patient*innen mit malignen hämatologischen Erkrankungen, mit fortgeschrittenen/metastasierten soliden Tumoren sowie bei Patient*innen mit nicht-malignen Erkrankungen unter immunsuppressiver Therapie kann eine Auffrischimpfung indiziert sein und wird empfohlen. Die Indikation wird klinisch unter Berücksichtigung der individuellen Risikosituation und möglicher Nebenwirkungen nach den vorherigen Impfungen gestellt. Als Anhaltspunkt kann ein Abstand >6 Monate nach der letzten Schutzimpfung dienen.

Bei klinischer Indikation kann eine Auffrischimpfung auch zu einem früheren Zeitpunkt erwogen werden. Hier kann dielaborchemische Bestimmung von Antikörpertitern als Surrogatparameter für den fehlenden, immunologischen Effekt einer vorherigen SARS-CoV-2-Schutzimpfung eingesetzt werden. Ein humorales Ansprechen kann in einer erneuten Bestimmung 14 Tage nach einer Auffrischmpfung dokumentiert werden.

Weiterhin gilt für alle Patient*innen mit aktiven hämatologischen und onkologischen Erkrankungen die starke Empfehlung zum dualen Schutz vor COVID-19 durch

-Schutzimpfung der Patient*innen und Angehörigen/Kontaktpersonenplus
-Einhalten der Hygienemaßnahmen.

Es werden dringendweitere Daten aus klinischen Studien und aus Registern zur Auffrischimpfung mit besserer Identifikation von klinisch definierten Risikogruppen und zur Festlegung belastbar prädiktiver Laborparameter benötigt.

Hintergrund

Patient*innen mit aktiver Krebserkrankung, sowohl bei soliden Tumoren als auch bei hämatologischen Neoplasien, haben ein besonders hohes Risiko für einen schweren Verlauf von COVID-19[1, 2]. Daherwurdediesen Patient*innen seit Verfügbarkeit wirksamer Impfstoffe vorrangig eine Schutzimpfung empfohlen. Es gibtderzeit keine krebsspezifischen Kontraindikationen gegen eine COVID-19-Impfung, auch keine Datenzur Präferenz oder Vermeidung bestimmterImpfstoffe.

Die erworbene SARS-CoV-2-Immunität sowohl nach einer Infektion als auch nach Schutzimpfungen nimmt mit der Zeit ab. Antikörperbestimmungen zeigen einen kontinuierlichen Abfall bereits nach 1-2 Monaten, sowohl nach einer Infektion als nach einer Schutzimpfung [3, 4]. Die interindividuelle Variabilität ist sehr hoch. Dadurch ergibt sich ein Risiko für Re-Infektionen mit SARS-CoV-2 beiGenesenen und für Neu-Infektionen nach Schutzimpfungen. Eine Analyse aus Dänemark hatte2020 den Schutz einer ersten vor einer zweiten Infektion mit etwa 80,5% berechnet [5]. Bei Patient*innen im Alter >65 Jahre war der Schutz geringer.

Der Schutz durch die Impfungen und/oderdurch eine durchgemachte SARS-CoV-2-Infektion ist beiKrebspatient*innen individuell variabel,bei einigen Gruppen schwächer als bei Gesunden.Publizierte laborchemische Daten mitniedrigerenAnsprechraten der Schutzimpfung liegen u. a. für Patient*innen mit soliden Tumoren[6] sowie soliden Tumoren unter systemischer antineoplastischer Therapie [7],und insbesondere für Patient*innen mit hämatologischen Neoplasien[8-10], mit chronischerlymphatischerLeukämie[11-13]sowie unterB-Zell-depletierenderTherapie[14]vor.

Labortests

DieSARS-CoV-2-Infektion oder -Schutzimpfung induziert eine humoraleund eine zelluläre Immunität. Es gibt derzeit keine standardisierte Routine-Laboruntersuchung, mithilfe derer eine sichere Aussage über den Schutz vor einer SARS-CoV-2-Infektion oder einer -Reinfektion getroffen werden kann.

Die humorale Immunantwort kann durch Antikörperbestimmungen untersuchtwerden. Antikörperbestimmungen können -bei Verwendung derselben Testmethode für individuelle Verlaufsbeobachtungen und für wissenschaftliche Untersuchungen zum Vergleich von Risikogruppen eingesetzt werden.

Wirksamkeit einer Auffrischimpfung bei immunsupprimierten Patient*innen

Es liegen Daten aus einer randomisierten, Placebo-kontrollierten Studie zum immunologischen Effekt einer Auffrischimpfung bei 120 Patient*innen nach Organtransplantation vor [15]. Dabei wurde der mRNA-1273-Impfstoff (Moderna) zwei Monate nach der zweiten Schutzimpfung appliziert. Nach der dritten Impfung wurde die präspezifizierte Antikörperschwelle von 100 U/ml bei 55% der Patient*innen in der Verum-und bei 18% in der Placebo-Gruppe erreicht.

Weitere Schutzmaßnahmen

Weitere wichtige Schutzmaßnahmen für alle Patient*innen mit aktiven hämatologischen und onkologischen Erkrankungen sind die strikte und sorgfältige Einhaltung der empfohlenen Hygienemaßnahmen mit Tragen und regelmäßigem Wechsel von Mund-und Nasenmasken, Händedesinfektion, Einhalten von Abstand (1,50 m) zu anderen Personen und Eingrenzungder sozialen Kontakte[2].

Eine weitere Maßnahme ist die Herstellung und Aufrechterhaltung des Nestschutzes durch Schutzimpfung von Angehörigenund Kontaktpersonen. Hier gibt es aus wissenschaftlicher Sicht keine Altersbegrenzung bei Kindern, limitierend sind die Zulassungsbestimmungen der Impfstoffe. Hierzu gehört auch die Schutzimpfung des medizinischen Personals.

Register

Die AGIHO beteiligt sich am Register für Infektionen geimpfter oder genesener hämatologischer Patient*innen der European Hematology Association (EHA). Das EPICOVIDEHA-Register kann über die Website www.clinicalsurveys.neterreicht werden.

Quelle:

https://www.dgho.de/publikationen/

 

 

 

© 2016 Selbsthilfegruppe für Leukämie- und Lymphompatienten Halle (Saale) / Sachsen-Anhalt

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