Selbsthilfegruppe für Leukämie- und Lymphompatienten Halle (Saale)
Kontakt aufnehmen
Informationsstände unserer Selbsthilfegruppe
Eindrücke aus der Arbeit unserer Selbsthilfegruppe
Orte unserer Arbeit in Halle
Medizinische Ansprechpartner
Unsere Selbsthilfegruppe bei Veranstaltungen
Ehrenamtliche Arbeit unserer Gruppe
Ansichten aus Halle (Saale)
Gemeinsame Aktionen für Patientinnen und Patienten
Medizinische Ansprechpartner und Wegbegleiter
Weitere Eindrücke aus unserer Selbsthilfegruppe

Liebe Freunde, liebe Besucher,

gestern fand im Deutschen Bundestag die Inklusionskonferenz „Radikal inklusiv“ statt. Eingeladen hatte die SPD-Bundestagsfraktion unter der Schirmherrschaft von Heike Heubach, die sich als Beauftragte der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen seit Jahren für mehr gesellschaftliche Teilhabe einsetzt.


Die Veranstaltung brachte zahlreiche Akteure aus Politik, Wirtschaft, Werkstatträten, Wissenschaft, Instituten, Vereinen und Selbsthilfegruppen zusammen. Ziel der Konferenz war es, aktuelle Herausforderungen der Inklusion sichtbar zu machen und gemeinsam über konkrete Verbesserungen zu diskutieren. Dabei wurde schnell deutlich: Inklusion ist längst kein Randthema mehr, sondern eine zentrale gesellschaftspolitische Aufgabe.

Zu den wichtigsten Programmpunkten gehörten mehrere Keynotes hochrangiger Gäste. Unter anderem sprach Jürgen Dusel über die aktuellen Herausforderungen auf dem Weg zu echter gesellschaftlicher Teilhabe. Ebenso setzte Britta Schlegel wichtige Impulse aus menschenrechtlicher Perspektive.

Auch Matthias Miersch machte in seiner Rede deutlich, dass Inklusion nicht nur politischer Wille bleiben dürfe, sondern sich im Alltag der Menschen konkret zeigen müsse. Abschließend sprach Bärbel Bas über die Verantwortung der Politik, Barrieren konsequent abzubauen und Teilhabe in allen Lebensbereichen zu ermöglichen.

Neben den Vorträgen standen vor allem die Diskussionsrunden im Mittelpunkt der Konferenz. Dabei ging es um Themen, die Menschen mit Behinderungen unmittelbar betreffen, unter anderem um einen inklusiven Arbeitsmarkt sowie barrierefreies Bauen und Wohnen. Auch ich durfte mich aktiv in zwei Panels an den Diskussionen beteiligen und die Perspektiven aus der Sicht meiner Heimatstadt Halle (S.) einbringen. Gerade diese offenen Gesprächsrunden zeigten, wie groß der Wunsch nach echten Veränderungen ist.

Die Konferenz war inhaltlich stark, vielfältig und an vielen Stellen auch unbequem. Denn neben Zustimmung gab es immer wieder deutliche Kritik, sowohl an bestehenden Strukturen als auch an politischen Entscheidungen. Nicht jeder Referent konnte mit dieser Offenheit souverän umgehen. Dennoch zeigte gerade dieser kritische Austausch, wie wichtig ehrliche Diskussionen für den Fortschritt in der Inklusionspolitik sind.

Besonders kontrovers wurde ein Beispiel aus der Wirtschaft diskutiert, das den Teilnehmenden Mut machen und Inklusion praxisnah vermitteln sollte. Die Idee dahinter war nachvollziehbar: Erfolgreiche Beispiele aus Unternehmen können Orientierung geben und anderen Betrieben zeigen, dass Inklusion funktioniert. Allerdings wurde dieses Beispiel aus Sicht vieler Teilnehmender sehr unglücklich gewählt. Statt Inspiration auszulösen, sorgte es eher für Irritation und kritische Nachfragen. Gerade bei einem sensiblen Thema wie Inklusion zeigt sich, wie wichtig Authentizität und echte Beteiligung betroffener Menschen sind.

Trotz einzelner kritischer Momente bleibt die Konferenz „Radikal inklusiv“ ein wichtiges Signal. Sie hat gezeigt, dass Inklusion mehr bedeutet als politische Schlagworte. Es geht um konkrete Veränderungen im Alltag z.B. am Arbeitsplatz, beim Wohnen, in der Bildung und im gesellschaftlichen Miteinander. Und es wurde deutlich: Wirkliche Inklusion entsteht nur dann, wenn Menschen mit Behinderungen nicht nur mitgedacht, sondern aktiv beteiligt werden.

Noch ein paar Zitate des Tages:
- „nicht über uns ohne uns!“
- „Barrierefreiheit ist Gift für die Wirtschaft – das Gegenteil ist der Fall“
- „13 Mio. Menschen mit einer Beeinträchtigung leben in Deutschland“
- „“Der Schutz von Diskriminierung und Inklusion ist nicht verhandelbar“
- „Wer AGG sagt, muss auch BGG sagen“
- „300.000 Menschen in Deutschland arbeiten in Werkstätten ohne Mindestlohn“
- „Wir wollen ohne Angst verschieden sein“
- „Keiner kann alles, aber jeder kann etwas besonders gut“
- „Barrieren müssen weg, auch in den Köpfen“

Eure Simone