Patientinnen und Patienten mit rezidivierter oder refraktärer akuter Leukämie konnten im Rahmen einer Phase-2-Studie 2 000 cGy zur Bestrahlung von Knochenmark und Lymphknoten in Kombination mit hoch dosiertem Etoposid und Cyclophosphamid sicher verabreicht werden. Dies könnte die Chancen der hämatopoetischen Stammzelltransplantation verbessern.
Die myeloablative Ganzkörperbestrahlung wird häufig als Teil des Konditionierungsschemas vor einer hämatopoetischen Stammzelltransplantation (HCT) eingesetzt. Es wurde ein umgekehrter Zusammenhang zwischen der Strahlendosis und dem Rückfallrisiko nachgewiesen. Höhere Strahlendosen sind jedoch mit einer erhöhten Rate an toxischen Wirkungen und einer erhöhten Rate an Graft-versus-Host-Reaktionen verbunden, die den Nutzen der HCT aufwiegen könnten. Die totale Knochenmark- und Lymphknotenbestrahlung (TMLI) hat den Vorteil, dass erhöhte Strahlendosen an Knochenmark und Lymphknoten abgegeben werden können, während die Dosen für andere lebenswichtige Organe niedrig gehalten werden.
Hoch dosiertes Cyclophosphamid und Etoposid als Konditionierungsschema vor der Bestrahlung des Knochenmarks und der Lymphknoten hat sich in einer Studie vor einer allogenen hämatopoetischen Zelltransplantation als vielversprechendes Behandlungsmuster erwiesen: 106 Patientinnen und Patienten im Alter zwischen 16 und 60 Jahren mit rezidivierter oder refraktärer akuter myeloischer Leukämie oder akuter lymphoblastischer Leukämie aus mehreren Zentren des US-amerikanischen, onkologischen City of Hope-Netzwerks erhielt im Rahmen einer Phase-2-Studie eine totale Knochenmark- und Lymphgewebebestrahlung mit 2 000 cGy an den Tagen –9 bis –5 vor der Zelltransplantation, Etoposid 60 mg/kg am Tag –4 und Cyclophosphamid 100 mg/kg am Tag –2. Das Durchschnittsalter betrug 40,9 Jahre, von den 106 Teilnehmenden waren 49 (46 %) weiblich und 57 (54 %) männlich. 84 Teilnehmende (79 %) litten an akuter myeloischer Leukämie und 22 (21 %) an akuter lymphoblastischer Leukämie. Die mediane Nachbeobachtungszeit betrug 1,8 Jahre für alle Patienten und Patientinnen und 3,1 Jahre für jene, die zum Zeitpunkt des letzten Kontakts noch am Leben waren.
Knochenmark- oder periphere Blutstammzellen von Geschwistern oder von passenden oder um ein Allel nicht passenden nicht verwandten Spendern wurden am Tag 0 infundiert. Die Prophylaxe der Graft-versus-Host-Reaktion bestand in der Gabe von Tacrolimus und Sirolimus. Primärer Endpunkt war das 2-Jahres-progressionsfreie Überleben.
Die auf 2 Jahre geschätzte progressionsfreie Überlebensrate aller Erkrankten betrug 34 % (95-%-Konfidenzintervall: [25 %; 43 %)]. Die häufigsten unerwünschten Ereignisse des Grades 3–4 waren Zytopenien bei 96 (91 %), Stoffwechselstörungen bei 83 (78 %), orale Mukositis bei 45 (42 %), Diarrhö bei 25 (24 %), Übelkeit bei 21 (20 %) und das palmar-plantare Erythrodysästhesie-Syndrom bei 11 (10 %) Teilnehmenden. Ein Patient verstarb an einem sinusoidalen Obstruktionssyndrom, das auf das Konditionierungsschema mit hoch dosiertem Cyclophosphamid und Etoposid zurückgeführt wurde.
Progressionsfreie Überlebensrate von 34 % über 2 Jahre
Die kumulative Inzidenz einer akuten Graft-versus-Host-Reaktion (GvHD) jeglichen Schweregrads betrug nach 100 Tagen 60 % [49 %; 68 %], bei einer medianen Zeit bis zum Auftreten von 32 Tagen. Die kumulative Inzidenz einer akuten GvHD des Grades 3 oder 4 am Tag 100 betrug 16 % [10 %; 24 %], mit einer medianen Zeit bis zum Auftreten von 44 Tagen.
Es gab keine Todesfälle, die auf Komplikationen der akuten GvHD zurückzuführen waren. Die kumulative Inzidenz der chronischen GvHD betrug 67 % [56 %; 75 %] im 1. Jahr und 70 % [59 %; 78 %] im 2. Jahr mit einer medianen Zeit bis zum Auftreten von 5,8 Monaten.
Bemerkenswert war nach Meinung der Autoren, dass Patienten mit akuter myeloischer Leukämie, die zuvor weniger Therapien erhalten haben, am meisten davon profitieren. Dies lege nahe, dass Patienten mit refraktärer oder rezidivierter akuter myeloischer Leukämie für eine auf totaler Knochenmark- und Lymphgewebebestrahlung basierende Therapie in Betracht gezogen werden sollten, sobald ein geeigneter Spender gefunden wurde.
Quelle:









