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Informationen für Patienten: "Methadon in der Krebstherapie"

Seit April 2017 wurde in verschiedenen Medien über den Einsatz von Methadon bei Krebspatienten berichtet. Die Reaktionen sind enorm. Viele Patienten und ihre Angehörigen erkundigen sich nach den Möglichkeiten einer Methadontherapie. Die DGHO hat nun eine Information für Patienten veröffentlicht. Darin wird deutlich zwischen einem möglichen Einsatz von Methadon in der Schmerztherapie von Krebspatienten und einem Einsatz als Krebsmedikament unterschieden.
 
Was ist Methadon?
 
Methadon ist ein Opioid. Opioide wirken wie Morphin und binden sich im menschlichen Körper an spezielle Empfänger, die Opioidrezeptoren. Diese befinden sich auf Nervenzellen, aber auch auf anderen Körperzellen. Methadon wurde bereits 1937 in den Hoechster Farbenwerken entwickelt. Methadon ist eine Mischung zweier Moleküle (ein Racemat). Diese Moleküle kann man sich als sehr ähnlich, aber nicht identisch, vorstellen. Die einzelnen Moleküle werden als D-Methadon bzw. als L-Methadon (oder Levomethadon), die Mischung auch als D,L-Methadon bezeichnet. Levomethadon wird in Deutschland in Tablettenform und in Tropfenform von unterschiedlichen Firmen angeboten.
 
Methadon als Schmerzmedikament bei Krebspatiente
 
Methadon ist ein starkes Schmerzmedikament. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) führt Methadon auf ihrer Liste der unverzichtbaren Arzneimittel. In Deutschland ist Levomethadon zur Behandlung starker Schmerzen zugelassen. In der Regel wird eine Schmerztherapie nach dem WHO-Stufenschema durchgeführt, dabei ist I die niedrigste, III die höchste Stufe. In der deutschen S3 Leitlinie zur Palliativmedizin für Patienten mit nicht heilbarer Krebserkrankung wurde Levomethadon in der Stufe III aufgenommen. Es soll nur von erfahrenen Ärztinnen und Ärzten verabreicht werden, siehe die Patientenleitlinie der Arbeitsgemeinschaft der wissenschaftlichen medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) 2015: http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/128-001OLp_S3_Palliativmedizin_2015-09.pdf. Levomethadon gehört wie Methadon zu den Betäubungsmitteln und muss entsprechend des Betäubungsmittelrechts (BtMG) auf einem speziellen Rezept verschrieben werden.
 
Methadon als Ersatz bei Heroinabhängigkeit
 
Methadon wird in Deutschland als Drogenersatz-Therapie bei Menschen mit Heroinabhängigkeit eingesetzt. In vergleichenden Studien führte eine langfristige Erhaltungstherapie mit Methadon zur Reduktion des Heroinkonsums, Cochrane 2009; DOI:10.1002/14651858.CD002209.pub2.
 
Methadon als Krebsmedikament
 
Auch Tumorzellen können Opioidrezeptoren besitzen. In Laborversuchen steigerte D,L-Methadon die Empfindlichkeit von Hirntumorzellen für Chemotherapie. Daraufhin wurde Methadon in einer Studie an 27 Patienten mit Gliomen, einer Gruppe von bösartigen Hirntumoren, eingesetzt, http://ar.iiarjournals.org/content/37/3/1227.long. Die Patienten befanden sich in unterschiedlichen Krankheitsstadien und Krankheitssituationen (Erstdiagnose, Rückfall). Die meisten Patienten erhielten auch Chemotherapie. Laut der Veröffentlichung hatten nur 9 der 27 Patienten zum Zeitpunkt der Auswertung einen Rückfall. Allerdings ist unklar, ob die Therapieverläufe zwingend auf die Methadon-Einnahme, auf andere Behandlungen oder auf günstige Risikofaktoren zurückzuführen waren. Diese Forschung wird international bereits seit mehreren Jahren wahrgenommen und diskutiert. Allerdings wurden die guten Behandlungsergebnisse bei Krebspatienten bisher noch nicht von anderen Forschern oder anderen Studiengruppen nachvollzogen. Bisher vorliegende erste Ergebnisse zeigen keine positiven Effekte, https://doi.org/10.1089/jpm.2016.0316,
oder weisen bei Patienten mit nicht-tumorbedingten Schmerzen sogar auf das Risiko einer verkürzten Lebenszeit unter Methadon hin, http://jamanetwork.com/journals/jamainternalmedicine/fullarticle/2091400. Die Abwägung von Nutzen und Risiken ist noch sehr unklar. Die Erfahrung bei anderen Substanzen zeigt, dass positive Ergebnisse aus Labor- und Tierversuchen sich oft nicht in eine wirksame Therapie am Menschen übertragen lassen.
 
Methadon in der klinischen Forschung
 
Dringend sind weitere kontrollierte, klinische Studien zur Erforschung der Wirksamkeit von Methadon bei Krebspatienten erforderlich; solche Studien müssen finanziert werden. In der bisherigen Berichterstattung wurde oft bemängelt, dass die Wirksamkeit von Methadon auch deshalb nicht weiter untersucht wurde, weil es wirtschaftlich nicht attraktiv ist. Bei der Deutschen Krebshilfe wird zurzeit der Prüfplan für eine randomisierte klinische Studie von ausgewiesenen Experten begutachtet, bei der die Rolle von Methadon bei Patienten mit Glioblastom untersucht werden soll. Auch eine Fall-Kontroll-Studie und Bestfall-Analysen sind in Vorbereitung.
 
Die DGHO Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie e. V. verlangt seit mehreren Jahren eine stärkere Förderung von nichtkommerziellen Studien in Deutschland. Das ist eine politische Aufgabe. Wir begrüßen deshalb auch die aktuelle Forderung des Deutschen Bundesrates zur Senkung der Kosten bei der Begutachtung von nicht-kommerziellen Studien.
 
Unser Rat zu Methadon
 
  • L-Methadon (Levomethadon) ist ein wirksames Mittel bei Krebspatienten mit starken Schmerzen.
  • L-Methadon ist ein wirksamer Ersatz bei Heroinabhängigkeit.
  • D,L-Methadon steigert im Labor die Empfindlichkeit von Krebszellen für Chemotherapie. Auf der Basis der bisher vorliegenden Daten ist ein Einsatz als Krebsmedikament außerhalb von klinischen Studien nicht gerechtfertigt.
Kontakt:
 
Prof. Dr. med. Bernhard Wörmann
Medizinischer Leiter der DGHO
Alexanderplatz 1, 10178 Berlin
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
030/278760890
 
Quelle:
 
 
 
 
 
 
 
© 2016 Selbsthilfegruppe für Leukämie- und Lymphompatienten Halle (Saale) / Sachsen-Anhalt

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