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Diese Frühwarnsymptome können auf Krebs hindeuten

Müdigkeit, Gewichtsverlust oder nächtliches Schwitzen: Viele bösartige Tumorerkrankungen kündigen sich durch unklare Symptome an und werden daher oft nicht ernstgenommen. Hellhörig sollte man werden, wenn die Beschwerden anhalten und keine plausiblen Ursachen erkennbar sind. 

Tastbare Knoten oder Blut in Stuhl und Urin: Es gibt Symptome, die typisch für Krebs sind und die jeder kennt. Doch viele Tumore entwickeln sich im Verborgenen und senden lange Zeit keine oder nur unspezifische Symptome aus. Da die Beschwerden oft sehr allgemein sind, warten viele Patienten erst einmal ab, bevor sie einen Arzt aufsuchen.

Doch selbst erfahrenen Medizinern gelingt es nicht immer, unklare Symptome richtig zu deuten. Welche Warnsignale bei Krebs besonders oft übersehen werden und welche Rolle Selbstbeobachtung bei der Krebsfrüherkennung spielt, erklärt der Mediziner Dr. Johannes von Büren im Gespräch mit t-online.

t-online: Vorsorge- und Früherkennungsuntersuchungen sind wichtig, um Krebs in einem noch heilbaren Stadium zu entdecken. Eine absolute Garantie bieten sie jedoch nicht. Wie lässt sich die Krebsfrüherkennung verbessern?

Dr. von Büren: Zunächst ist es wichtig, dass alle Vorsorge- und Früherkennungsmaßnahmen ausgeschöpft werden, die von den gesetzlichen Krankenkassen angeboten werden. Das setzt voraus, dass die Patienten entsprechend informiert und aufgeklärt sind.

Welche Vorsorgeuntersuchungen sollte keiner versäumen?

Da gibt es geschlechtsspezifische Unterschiede. Bei den Frauen beginnt die Krebsvorsorge ab 20 Jahren mit einem jährlichen PAP-Test zur Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs. Ab 30 kommt dann eine jährliche Tastuntersuchung der Brustdrüsen und Lymphknoten dazu sowie die von den Fachgesellschaften empfohlene monatliche Selbstuntersuchung der Brust. Diese können Frauen unter Anleitung ihres Gynäkologen erlernen. Ab 35 folgt dann alle drei Jahre ein kombiniertes Screening aus Abstrich und HPV-Test. Ab 35 wird Frauen wie Männern ein Hautkrebsscreening im Abstand von zwei Jahren empfohlen.

Für Männer steht dann ab 45 eine jährliche Krebsfrüherkennung der Prostata und der äußeren Genitalien an. Der Hämoccult-Stuhltest, der unsichtbare Spuren von Blut im Stuhl nachweist, sowie die Darmspiegelung sind wichtige Untersuchungen zur Früherkennung von Darmkrebs. Sie werden ab dem 50. beziehungsweise 55. Lebensjahr empfohlen. Zur Früherkennung von Brustkrebs gibt es für Frauen ab 50 das Mammografie-Screening. Die Untersuchung erfolgt im Turnus von zwei Jahren bis zum 69. Lebensjahr. Die genannten Vorsorgeuntersuchungen sind allgemeine Empfehlungen. Bei bestimmten Hochrisikogruppen, zum Beispiel mit familiärer Belastung, können jedoch engmaschigere Untersuchungen notwendig sein. 

Solche Tests und Screenings werden allerdings nur für bestimmte Krebsarten angeboten. Alle anderen Tumore werden in der Regel erst entdeckt, wenn sich erste Symptome zeigen.

Das ist richtig. Zwar treten viele Symptome häufig erst in späteren Stadien auf, können aber durchaus auf Krebsarten hindeuten, die heilbar sind, wie zum Beispiel im Fall von Lymphomen oder Leukämien. Dabei handelt es sich oft um eine sogenannte B-Symptomatik. Das heißt, die Beschwerden sind so unspezifisch, dass sie nicht unbedingt gleich mit einer Krebserkrankung in Verbindung gebracht werden.

Können Sie Beispiele nennen?

Plötzlicher, ungewollter Gewichtsverlust von mehr als zehn Prozent des Körpergewichts in sechs Monaten sowie starke, anhaltende Müdigkeit und anhaltendes ungeklärtes Fieber können B-Symptome sein und sollten daher dringend von einem Arzt abgeklärt werden.

Auf welche Krebserkrankungen können solche B-Symptome hinweisen?

Starke Müdigkeit und Erschöpfung können ein Frühwarnsymptom für Blutkrebs sein. Bei älteren Menschen können schmerzlos geschwollene Lymphknoten im Halsbereich ebenfalls auf eine bestimmte Art der Leukämie hinweisen. Gewichtsverlust, Fieber und Nachtschweiß treten unter anderem beim Kolonkarzinom auf, allerdings in der Regel erst, wenn der Krebs schon fortgeschritten ist. Bei Männern können ein schwacher Harnstrahl, Inkontinenz oder auch Impotenz ein Warnsignal für Prostatakrebs sein, allerdings auch erst im späten Stadium. Anhaltende Heiserkeit dagegen tritt manchmal im Frühstadium von Kehlkopfkrebs auf. Bei Lungenkrebs dagegen ist es ein Spätwarnsymptom.

Plötzliche Veränderungen im Stuhlgang, sowohl in Bezug auf die Frequenz als auch in Form von Verstopfung, Durchfall oder Blutbeimengungen im Stuhl, treten ebenfalls häufig im Zusammenhang mit Darmkrebs auf, allerdings auch hier eher im späteren Stadium. Schwarzer Stuhl und dunkelrotes Blut dagegen können ein Hinweis auf ein Ösophagus- und Magenkarzinom sein. Weitere Warnsymptome, die dringend abgeklärt werden sollten, sind Bluthusten sowie Veränderungen der Brust. Hier kann eine rechtzeitige Abklärung und frühe Therapieeinleitung den Behandlungserfolg maßgeblich positiv beeinflussen.

Bei Müdigkeit oder Gewichtsverlust denkt nicht jeder gleich an Krebs und sucht einen Arzt auf ...

Das stimmt. Dennoch glaube ich, dass die meisten intuitiv spüren, wenn mit ihrem Körper etwas nicht stimmt. Mit diesem Gefühl gehen die Patienten allerdings sehr unterschiedlich um. Es gibt solche, die mit unklaren, länger anhaltenden Symptomen zum Arzt gehen. Andere dagegen zeigen ein typisches Ignorierverhalten. Obwohl ihnen bewusst ist, möglicherweise ernsthaft erkrankt zu sein, verdrängen sie den Gedanken daran. 

Sind solche Verdrängungsmechanismen bei Frauen und Männern unterschiedlich ausgeprägt?

Frauen sind zumindest gewissenhafter, was Vorsorge angeht. Auch aus meiner klinischen Praxis kann ich sagen, dass der Verdrängungsaspekt bei Männern häufiger zu beobachten ist. Doch auch hier gibt es Ausnahmen, sodass eine pauschale Aussage schwierig ist. Ich kann nur an jeden appellieren, zum Arzt zu gehen, wenn er Veränderungen an seinem Körper wahrnimmt.

Sie sehen also auch den Patienten in der Verantwortung?

Ja, durchaus. Die meisten Ärzte geben sicherlich ihr Bestes. Aber sie können sich bei der Vielzahl ihrer Patienten nicht um alles proaktiv kümmern. In unserem Gesundheitssystem ist das zeitlich gar nicht möglich. Auch der beste Arzt übersieht daher schon mal etwas.

Daher ist es wichtig, dass der Patient hartnäckig bleibt, wenn er spürt, dass etwas in seinem Körper nicht stimmt. Er sollte gegebenenfalls auch einen zweiten Arzt konsultieren, falls er sich nicht ernst genommen fühlt oder denkt, dass hinter seinen Symptomen mehr stecken könnte.

Gibt es neben den unspezifischen Symptomen, über die wir gesprochen haben, auch spezifische Frühwarnsymptome?

Sichtbares Blut im Urin kann ein Frühsymptom für Blasenkrebs sein. Ebenso können Veränderungen der Pigmentflecken Hinweise auf einen möglichen Hautkrebs (Melanom) geben. Hellhörig sollten Frauen in der Menopause werden, wenn plötzlich Blutungen auftreten. Sie können ein früher Hinweis auf ein Endometriumkarzinom sein.

Während der Pandemie haben viele Menschen die Krebsvorsorge vernachlässigt. Welche Folgen wird das haben?

Die Folgen könnten massiv sein. Studien deuten bereits darauf hin, dass verspätet wahrgenommene Vorsorgeuntersuchungen zu einem späteren Diagnosezeitpunkt und möglicherweise schlechteren medizinischen Outcomes und damit Langzeitüberleben führen könnten. Hinzu kommt, dass viele Menschen mit Symptomen aus Angst vor einer Infektion darauf verzichtet haben, einen Arzt aufzusuchen.

Wenn man im Zuge der Pandemie von Übersterblichkeit spricht, müssen all diese Aspekte berücksichtigt werden. Bei der Krebsdiagnostik ist es wichtig, dass sie zu einem möglichst frühen Zeitpunkt erfolgt. Für Patienten geht es um eine zeitnahe Abklärung, die innerhalb weniger Wochen erfolgen sollte. Die große Gefahr besteht darin, dass sich ein nachlässiges Verhalten in Bezug auf Vorsorge bei den Patienten einbürgert. 

Bluttests zur Krebsfrüherkennung stehen im Fokus der aktuellen Krebsforschung. Ist das die Diagnostik der Zukunft?

Aktuell gibt es nur einen einzigen Bluttest, der als Screeningtest anerkannt ist: den PSA-Test zur Früherkennung von Prostatakrebs. Daneben gibt es die Tumormarker, die aber eher zur Verlaufskontrolle eines bereits diagnostizierten Krebses eingesetzt werden. Sie sind aber nur ein Parameter von vielen, da sie manchmal zu falsch-positiven und falsch-negativen Ergebnissen führen können. Die Allgemeinbevölkerung kann sich mit gutem Gewissen an die von der Krankenkasse übernommenen Vorsorgemaßnahmen halten. Sie sind evidenzbasiert und gewährleisten daher einen Nutzen.

Ansonsten gibt es eine Reihe von Studien zu Früherkennungstests mit unterschiedlichen methodischen Ansätzen, die jedoch für die klinische Diagnostik noch nicht zugelassen sind. Es ist schwer zu sagen, welche Methodik sich etablieren wird. Aus meiner Sicht werden Gentests möglicherweise eine wichtige Rolle spielen, zum Beispiel bei erblich bedingten Krebsarten wie dem durch eine BRCA1-Mutation hervorgerufenen Mammakarzinom.

Ansonsten gibt es eine Reihe von Studien zu Früherkennungstests mit unterschiedlichen methodischen Ansätzen, die jedoch für die klinische Diagnostik noch nicht zugelassen sind. Es ist schwer zu sagen, welche Methodik sich etablieren wird. Aus meiner Sicht werden Gentests möglicherweise eine wichtige Rolle spielen, zum Beispiel bei erblich bedingten Krebsarten wie dem durch eine BRCA1-Mutation hervorgerufenen Mammakarzinom. 

Vielen Dank für das Gespräch, Dr. von Büren.

Quelle:

https://www.t-online.de/

 

© 2016 Selbsthilfegruppe für Leukämie- und Lymphompatienten Halle (Saale) / Sachsen-Anhalt

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